ITB - The Travel Network
16. - 18. März 2027
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Mehr als Kreuzfahrt und Karibik

Zwischen Alaska und Feuerland bietet der Kontinent eine enorme Vielfalt an Reisezielen und Produkten. Die neue Tourismusmesse ITB Americas trägt dieser Vielfalt Rechnung.

Der Markt ist in Bewegung: Veranstalter erweitern ihre Programme, erschließen neue Regionen und reagieren auf eine wachsende Nachfrage nach individuellen, spezialisierten Reiseerlebnissen. Besonders in Süd- und Mittelamerika warten innovative Produkte und noch wenig bekannte Destinationen auf ihre Entdeckung. Vom 10. - 12. November 2026 feiert die ITB Americas in Guadalajara, Mexiko, Premiere und bringt diese Vielfalt erstmals auf einer Fachmesse für den gesamten amerikanischen Kontinent zusammen. 83 Prozent der Ausstellungsfläche sind bereits gebucht – ein deutliches Signal für das große Interesse der Reisebranche.

Eine Hand hält einen kleinen Globus, auf der man den amerikanischen Kontinent sieht.

Der amerikanische Kontinent als Reisemarkt im Fokus (c) Unsplash

Kunden erwarten individuelle Angebote

Viele Veranstalter haben ihr Angebot in Zentral- und Südamerika diversifiziert und ausgeweitet. Allein bei DERTOUR und Meiers Weltreisen finden sich 47 neue Reisen im Programm. Flexible Rundreisen für Alleinreisende zu den antiken Stätten von Yucatan, kulinarische Touren durch die Taco-Küche der Trend-Destination Mexico-City oder Entdeckungsreisen in das noch wenig bekannte El Salvador entsprechen einem Kundenmarkt, der sich zunehmend ausdifferenziert und dabei oft das Besondere sucht. „Der Trend geht zu spezialisierten, themenorientierten Reisen mit besonderen Elementen und lokalen Begegnungen. Reine Mainstream-Reisen werden weniger nachgefragt“, beobachtet Jutta Zenner, Sales & Marketing Director beim Frankfurter Veranstalter South American Tours.

Wer im Tourismus arbeitet, lernt auch mit Krisen umzugehen. Wenige Monate nachdem Hurrikan Melissa 2025 auf Jamaika traf und dort schwere Zerstörungen anrichtete, war der touristische Betrieb auf der Karibikinsel bereits wieder weitgehend hergestellt. Mit internationaler Unterstützung war es gelungen, die Schäden an Hotelanlagen und Straßen rasch zu beseitigen. Mehr als das: Die Tourismusbranche betrachtete die Katastrophe auch als Chance für zukunftsfähige Investitionen: „An die Stelle der Zerstörungen setzen wir nachhaltige Strukturen, um robuster und widerstandsfähiger zu werden“, so Jamaikas Tourismusminister Edmund Bartlett.

Jamaikas rasche Rückkehr auf die touristische Weltkarte zeigt, wie erfolgreiches Destinationsmanagement funktioniert: Urlaubsziele, die in ihre Modernisierung investieren und diese Maßnahmen entsprechend kommunizieren, können nahezu überall mit steigenden Besucherzahlen rechnen. Der Erfolg von Jamaika bietet Inspiration für die gesamte Region. Mit Ausnahme des krisengeplagten Kuba erfreuen sich derzeit nahezu alle Karibikinseln wachsender Beliebtheit: „Gemeinsam mit einigen anderen Regionen gehört die Karibik im kommenden Winter zu den gefragtesten Fernreisezielen. Dies gilt neben den Top-Seller-Destinationen insbesondere auch für viele kleinere Inseln“, berichtet Jan Frankenberg, Director Fernreisen bei DERTOUR Deutschland. Im Karibik- Programm des Veranstalters finden sich mittlerweile auch kleinste, kaum bekannte Ziele wie etwa St. Eustatius, ein niederländisches Eiland mit spektakulärem Vulkan und attraktiven Tauchrevieren.

Doch nicht nur die Inselwelten der Karibik, auch zahlreiche Festlandziele jenseits des Atlantiks finden auf dem europäischen Urlaubermarkt zunehmendes Interesse. „Wir registrieren 2026 die beste Entwicklung der vergangenen fünf Jahre. Bei den Buchungen liegen wir aktuell rund zehn Prozent im Plus. Das wird sogar noch leicht steigen“, beobachtet Jann-Ole Potinius, Marketing-Leiter des Spezialanbieters Hajo Siewer Jet-Tours.

Süd- und Zentralamerika als Krisengewinner

Auch DERTOUR zeigt sich mit dem Segment zufrieden: „Insgesamt entwickelt sich Lateinamerika sehr positiv, vor allem Costa Rica, Brasilien und Ecuador. In Mexiko laufen die Yucatan-Halbinsel und Baja California sehr gut“, bilanziert Fernreisen-Chef Frankenberg. Als verlässliche Umsatzgröße erweise sich auch der Kreuzfahrtmarkt: „Die Nachfrage nach Kreuzfahrten in Mittelamerika ist ungebrochen. Es gibt keine Region auf der Welt, in der wir eine größere Vielfalt an Reedereien und Schiffen anbieten. Vom klassischen Kreuzfahrtschiff bis zu Segeltouren findet sich für jeden Geschmack die passende Reise“, betont Frankenberg.

Belebt wird die Nachfrage nach Süd- und Mittelamerika-Reisen jedoch nicht zuletzt auch durch weltpolitische Entwicklungen. Die Spannungen im Nahen Osten sowie der Iran- und der Ukraine-Krieg tragen dazu bei, dass viele Fernreisende bei der Urlaubsplanung weniger nach Asien, sondern eher Richtung Neue Welt blicken. „Generell hält sich Lateinamerika im internationalen Vergleich erfreulich gut. Die zunehmenden Unsicherheiten im Osten haben bei vielen europäischen Reisenden offenbar den Blick nach Westen gelenkt. Die Abwesenheit von Terror und regionalen Kriegen in Lateinamerika wiegt schwerer als die vergleichsweise kleineren Krisen in einigen der dortigen Länder“, beobachtet Andreas M. Gross, Vorsitzender der touristischen Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika.

Überdurchschnittliches Wachstum

Jüngste Untersuchungen des World Travel and Tourism Council (WTTC) stützen diese Einschätzung: Laut der Economic Impact Research-Prognose des WTTC wird das touristische Wachstum in Süd- und Mittelalamerika 2026 mit 4,1 Prozent deutlich besser abschneiden als der weltweite Durchschnitt von 3,2 Prozent. Die Ausgaben internationaler Besucher auf dem Subkontinent werden laut WTTC voraussichtlich um 7,8 Prozent steigen, mehr als doppelt so stark wie der Durschnitt aller anderen Weltregionen (3,7 Prozent). Länder wie Bolivien, Brasilien, Argentinien, Panama oder Guatemala registrieren robuste, zum Teil zweistellige Wachstumszahlen. „Mittel- und Südamerika entwickeln sich weiterhin zu den dynamischsten Tourismusregionen der Welt. Starke Inlandsnachfrage, steigende internationale Ausgaben sowie ein wachsendes Vertrauen der Reisenden sorgen für stabiles Wachstum“, betont WTTC-Präsidentin Gloria Guevara.

Allerdings existieren auch in dieser Weltregion Konflikte, die die touristische Entwicklung behindern. Kubas lange Zeit florierender Tourismus ist unter dem Einfluss von Misswirtschaft und internationaler Isolierung nahezu kollabiert. Angesichts einer anhaltend schweren Versorgungskrise haben viele Hotelketten und Airlines die größte Karibikinsel mittlerweile aus ihrem Programm gestrichen. Auch die Wirtschaftskrise in Venezuela sowie neu aufgeflammte Konflikte in Kolumbien tragen dazu, dass die dortigen Urlaubsregionen derzeit nicht immer leicht zu verkaufen sind.

Wie schnell das Image einer Destination beschädigt werden kann, haben zuletzt jedoch auch populäre Transatlantik-Ziele wie die USA erleben müssen. Medienberichte über Einreiseverweigerungen und Visa-Beschränkungen führten seit 2025 auf dem deutschen Markt zu erheblichen Buchungsrückgängen. Nach Ansicht von Tilo Krause-Dünow, Geschäftsführer des führenden Nordamerika-Spezialisten CANUSA TOURISTIK, stellt sich die Realität vor Ort jedoch entspannter dar: „Es gibt weder neue Einreisebeschränkungen, die sich von denen vor zwei oder drei Jahren unterscheiden, noch gibt es übermäßige Visaverweigerungen. Solche Darstellungen sind mediengemacht. Auf unser Geschäft wirkt sich das leider bremsend aus“, berichtet der Unternehmer, für den das Ende der Durststrecke aber in Sicht ist: „Wir sehen eine Stabilisierung der Nachfrage und ansteigende Bedürfnisse, 2027 wieder in die USA zu reisen. Besonders Ziele, die nicht zur ersten Wahl gehören, erfahren überproportionale Steigerungen: so etwa der Süden der USA, Hawaii und der Nordwesten von Washington State bis Kalifornien“, registriert Krause-Dünow.

Hohe Endpreise erfordern Flexibilität

Kopfzerbrechen bereiten vielen Anbietern jedoch auch die deutlich gestiegenen Endpreise in vielen Leistungssegmenten. Diese bewegen sich zwar im Kontext eines weltweiten Preisanstiegs, sind bei Transatlantik-Reisen jedoch oft schwer zu vermitteln: „Lateinamerika ist generell kein Billig-Ziel, auch wegen seiner komplexen und vielschichtigen Inhalte. Hohe Flugpreise erleichtern die Lage nicht unbedingt“, bedauert Andreas M. Gross. Vor allem Anbieter mit preissensibler Kundschaft haben es in der gegenwärtigen Situation nicht leicht: „Die Preissteigerungen wirken sich gerade bei den Generalisten negativ auf das Buchungsverhalten aus. Mitunter werden neue Südamerika-Produkte dann auch gar nicht erst aufgelegt. In speziellen Segmenten wie Luxus-, Themen- und Aktivreisen existiert dieses Problem jedoch kaum. Dieses Kundensegment möchte nach Südamerika reisen, kennt die Preise und plant entsprechend“, beobachtet Zenner.

Darüber hinaus lassen sich jedoch auch Neukunden gewinnen: „Die Nachfrage ist durch die gestiegenen Preise zunächst leicht zurückgegangen, konnte aber durch einen Ausbau des Angebotes wieder gesteigert werden. Bei Destinationen wie beispielsweise Costa Rica und Brasilien haben die Preissteigerungen keinen Einfluss auf das Buchungsverhalten, hier ist die Nachfrage sogar überdurchschnittlich gestiegen Generell gilt: Auch im Fernreisemarkt achten Kundinnen und Kunden sehr genau auf ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gleichzeitig sehen wir, dass Reisen weiterhin einen hohen Stellenwert haben. Neben dem Preis spielen Planungssicherheit, Flexibilität und die Verfügbarkeit der gewünschten Hotels und Flugverbindungen eine wichtige Rolle.“, berichtet DERTOUR-Experte Frankenberg.

ITB Americas 2026

Die ITB Americas ist die erste echte panamerikanische B2B-Reisemesse, die Destinationen, Anbieter, Einkäufer und weitere Akteure der Reisebranche aus der gesamten Region zusammenbringt. Als Teil der internationalen ITB-Marke schafft die von Messe Berlin Americas organisierte Veranstaltung Raum für persönliche Begegnungen, neue Geschäftskontakte und den Austausch über aktuelle Entwicklungen in der Branche. Gleichzeitig soll die ITB Americas internationalen Unternehmen den Zugang zu den Märkten und Partnern in der Region erleichtern. Ein Hosted-Buyer-Programm und eine Konferenz mit Branchenexperten ergänzen das dreitägige Messeprogramm.

Hospitality, Destinationen
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