Warum Vielfalt im Tourismus heute mehr denn je zählt
Wie verändern sich die Erwartungen von LGBTQ+-Reisenden? Thomas Bömkes erklärt, warum Vielfalt, Sicherheit und Inklusion den Tourismus nachhaltig prägen.
Mit der Pride Season rückt Berlin in diesen Wochen erneut in den Mittelpunkt der internationalen LGBTQ+-Community. Gleichzeitig gewinnt das Thema Vielfalt und Inklusion auch für den globalen Tourismus weiter an Bedeutung. Denn Reisende achten zunehmend darauf, wie offen, sicher und glaubwürdig sich Destinationen und touristische Unternehmen positionieren.

Warum Vielfalt im Tourismus heute mehr denn je zählt. © Unsplash
Im Interview spricht Thomas Bömkes, Geschäftsführer der Münchner Consulting- und Marketingagentur Diversity Tourism, darüber, welche Rolle Pride für Destinationen spielt, wie sich die Erwartungen von LGBTQ+-Reisenden verändern und warum Vielfalt längst zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor geworden ist.

© Thomas Bömkes
Nach dem internationalen Pride Month im Juni steht nun die Pride Season in Berlin im Fokus. Welche Bedeutung haben diese Aktionszeiträume für die Sichtbarkeit von Vielfalt und Inklusion und welche Impulse geben sie Destinationen und der Tourismusbranche?
Der Pride Month schafft Sichtbarkeit für die LGBTQ+-Community und macht Vielfalt sowie Inklusion im öffentlichen Raum erlebbar. Er fördert den gesellschaftlichen Dialog, baut Vorurteile ab und stärkt Akzeptanz sowie gegenseitigen Respekt.
Für Destinationen bietet diese Zeit die Chance, sich als weltoffene, diskriminierungsfreie und inklusive Reiseziele zu positionieren. Eine glaubwürdige Haltung zu Vielfalt stärkt die Attraktivität für internationale Gäste – insbesondere für LGBTQ+-Reisende und alle, die Wert auf Offenheit und gesellschaftliche Verantwortung legen.
Gleichzeitig wirken Pride-Veranstaltungen als Imagefaktor und Besuchermagnet. Sie schaffen zusätzliche touristische Nachfrage und geben Impulse für inklusivere Angebote, etwa durch diskriminierungsfreie Kommunikation oder diversitätssensible Schulungen.
Entscheidend ist jedoch, dass Vielfalt nicht auf einen Aktionsmonat beschränkt bleibt. Authentizität ist wichtiger denn je. Wer Vielfalt nur symbolisch kommuniziert, riskiert Rainbow Washing. Berlin zeigt mit seiner Pride Season eindrucksvoll, wie Diversität zu einem festen Bestandteil der touristischen Identität einer Destination werden kann.
Langfristig tragen solche Aktionszeiträume dazu bei, inklusive Reiseerlebnisse für alle Menschen zu fördern und den Tourismus als offenen, vielfältigen und zukunftsorientierten Wirtschaftszweig weiterzuentwickeln.
Die LGBTQ Risk Map 2026 zeigt, dass sich die Sicherheits- und Rechtslage für LGBTQ+-Reisende in vielen Teilen der Welt verschärft. Welche Auswirkungen hat das auf Reiseplanung, Destination Marketing und die Verantwortung der Tourismusbranche?
Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz spielen für LGBTQ+-Reisende heute eine größere Rolle denn je. Viele informieren sich vor einer Reise intensiv über die rechtlichen Rahmenbedingungen und mögliche Diskriminierungsrisiken.
Destinationen mit einer offenen und sicheren Umgebung gewinnen dadurch an Vertrauen. Im Destination Marketing kommt es darauf an, Inklusion glaubwürdig zu kommunizieren. Authentizität ist entscheidend – Rainbow Washing kann das Vertrauen von Gästen nachhaltig beschädigen.
Touristische Unternehmen tragen die Verantwortung, ein diskriminierungsfreies Gästeerlebnis zu schaffen – von der Buchung bis zur Abreise. Dazu gehören geschulte Mitarbeitende, inklusive Sprache und transparente Informationen über die Situation vor Ort. Gleichzeitig müssen Marketingmaßnahmen die Interessen lokaler LGBTQ+-Communities berücksichtigen und dürfen diese nicht gefährden.
Langfristig entwickeln sich Diversität, Sicherheit und gesellschaftliche Verantwortung zu wichtigen Qualitätsmerkmalen erfolgreicher Destinationen.
Wie haben sich die Bedürfnisse und Erwartungen von LGBTQ+-Reisenden in den vergangenen Jahren verändert? Welche Trends werden den LGBTQ+-Tourismus künftig prägen?
LGBTQ+-Reisende erwarten heute weit mehr als reine Akzeptanz. Sie wünschen sich ein authentisch inklusives und diskriminierungsfreies Reiseerlebnis. Vielfalt soll selbstverständlich Teil des touristischen Angebots sein und sich in Marketing, Kommunikation und Gästeservice widerspiegeln.
Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz sind zu zentralen Entscheidungskriterien geworden. Gleichzeitig gewinnt die Individualisierung an Bedeutung, denn die LGBTQ+-Community ist keine homogene Zielgruppe.
Authentische Empfehlungen in sozialen Medien beeinflussen Reiseentscheidungen stärker denn je. Künftig werden Nachhaltigkeit und Inklusion noch enger zusammengedacht, während ganzjährig sichtbare Diversität, vielfältige Bildsprache und die Zusammenarbeit mit lokalen Communities weiter an Bedeutung gewinnen.
LGBTQ+-Tourismus entwickelt sich zunehmend von einem Nischenmarkt zu einem Qualitätsmerkmal moderner, international wettbewerbsfähiger Destinationen.
Welche Rolle spielen internationale Branchenplattformen wie die ITB Berlin dabei, Best Practices sichtbar zu machen und den Dialog über inklusiven Tourismus voranzutreiben?
Internationale Branchenplattformen wie die ITB Berlin sind wichtige Impulsgeber für den Austausch über Vielfalt und Inklusion. Sie bieten eine globale Bühne für Best Practices und erfolgreiche Beispiele aus Destinationen und Unternehmen weltweit.
Der Austausch zwischen Destinationen, Reiseveranstaltern, Hotellerie, Verbänden und Community-Organisationen fördert Wissenstransfer und internationale Kooperationen. Gleichzeitig schaffen Formate wie die LGBTQ+ Tourism Stage oder die ITB Diversity Gala mehr Sichtbarkeit für das Thema.
Die ITB Berlin zeigt, dass Inklusion kein Nischenthema, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor für die Zukunft des Tourismus ist. Solche Plattformen fördern den internationalen Dialog und helfen dabei, gemeinsame Standards für einen vielfältigen, sicheren und zukunftsorientierten Tourismus weiterzuentwickeln.
Das LGBTQ+ Tourism Segment auf der ITB Berlin
Das LGBTQ+ Tourism Segment der ITB Berlin bietet eine internationale Plattform für Austausch, Wissenstransfer und Networking rund um inklusiven Tourismus. Mit dem LGBTQ+ Tourism Pavilion – veranstaltet in Zusammenarbeit mit Diversity Tourism GmbH – Fachsessions, Networking-Events und der ITB Diversity Gala bringt die weltweit führende Tourismusfachmesse Destinationen, Unternehmen, Verbände und Community-Organisationen zusammen und macht Best Practices aus aller Welt sichtbar.
Erfahren Sie mehr über das LGBTQ+ Tourism Segment der ITB Berlin und gestalten Sie die Zukunft eines vielfältigen und inklusiven Tourismus mit.