Presse-Information
Zwei Jahre im Vergleich: ITB Berlin-Studie zeigt neue Entwicklungen bei der wahrgenommenen Sicherheit queerer Reisender weltweit
Zweite gemeinsame Untersuchung von ITB Berlin, A3M Global Monitoring und Diversity Tourism analysiert globale Trends: Kanada, die Niederlande, Spanien und Österreich zählen zu den positiv bewerteten Reisezielen, während sich die Wahrnehmung der Situation in den USA deutlich verändert hat.
LGBTQ+-Tourismus gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten und dynamischsten Segmenten des internationalen Reisemarktes. Gleichzeitig gewinnen Fragen nach Sicherheit, Akzeptanz und verlässlichen Orientierungshilfen für queere Reisende weltweit zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund hat die weltweitführende Tourismusfachmesse, ITB Berlin, gemeinsam mit A3M Global Monitoring, einem Anbieter von Sicherheits- und Reiserisikoanalysen, sowie Diversity Tourism, einer auf LGBTQ+-Tourismus spezialisierten Beratung und Netzwerkplattform, zum zweiten Mal eine umfassende Untersuchung zur LGBTQ+-Reisesicherheit durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen: Sicherheit auf Reisen hängt nicht allein von rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Ebenso entscheidend sind gesellschaftliche Akzeptanz, regionale Unterschiede und persönliche Erfahrungen vor Ort. Die Studie macht sichtbar, wie sich die Wahrnehmung der Reisesicherheit innerhalb von zwei Jahren verändert hat und welche Faktoren das Sicherheitsempfinden queerer Reisender prägen.
Die Studie „LGBTQ+-Reisesicherheit 2026“ wurde von Dezember 2025 bis Mai 2026 durchgeführt und durch Interviews mit LGBTQ+-Tourismusexpert:innen sowie erfahrenen Reisenden ergänzt. In Verbindung mit der aktualisierten LGBTQ+ Risk Map 2026 von A3M Global Monitoring zeigt sie aktuelle Entwicklungen bei Sicherheit, Akzeptanz und Risiken für queere Reisende weltweit.

Zweite ITB-Erhebung liefert erstmals Vergleichsdaten über zwei Jahre
Nach der ersten Untersuchung im Jahr 2025 ermöglicht die aktuelle Erhebung erstmals eine Betrachtung von Veränderungen und Trends. Während die erste Umfrage vor allem eine Bestandsaufnahme der Erfahrungen queerer Reisender darstellte, zeigt die zweite Befragung nun, wie sich Wahrnehmungen innerhalb eines Jahres entwickelt haben.
An der Umfrage 2026 beteiligten sich 69 Reiseexpert:innen und Reisende, die ihre Einschätzungen zu 28 Ländern aus verschiedenen Weltregionen abgaben. Damit liegen inzwischen für insgesamt 46 Länder und Territorien Bewertungen aus beiden Erhebungsjahren vor.
Die Ergebnisse sind nicht als internationaler Länderindex zu verstehen, sondern als qualitative Analyse der Erfahrungen und Wahrnehmungen von LGBTQ+-Reisenden. Gerade diese Perspektive ergänzt bestehende Bewertungen, die häufig vor allem rechtliche Rahmenbedingungen vergleichen.
LGBTQ+-Tourismus wächst: Sicherheitsempfinden wird zum entscheidenden Reisefaktor
Die Untersuchung bestätigt die zunehmende Bedeutung des LGBTQ+-Tourismus. Queere Reisende planen ihre Reisen zunehmend bewusst und berücksichtigen neben klassischen Faktoren wie Preis, Angebot und Infrastruktur auch Fragen nach Akzeptanz, Sichtbarkeit und Sicherheit.
Die Studie zeigt zugleich, dass die rechtliche Situation eines Landes nur ein Teil der Realität ist. Entscheidend ist, ob Reisende sich vor Ort respektiert fühlen, ob sie offen auftreten können und wie sie mit Behörden, Dienstleistern und der Gesellschaft interagieren.
Besonders relevant ist dabei die unterschiedliche Wahrnehmung innerhalb der LGBTQ+-Community. Transpersonen, nicht-binäre Menschen und weitere marginalisierte Gruppen berichten häufiger von Unsicherheiten und Diskriminierungserfahrungen.
Kanada, Niederlande, Spanien und Österreich besonders positiv bewertet
Bei der Bewertung der gesellschaftlichen Akzeptanz erzielen Kanada, die Niederlande, Spanien und Österreich besonders hohe Werte. Kanada und die Niederlande schneiden insgesamt am besten ab. Die Befragten bewerten dort den respektvollen Umgang mit LGBTQ+-Personen und Paaren, die Möglichkeit öffentlicher Zuneigungsbekundungen sowie den Umgang mit Polizei und Behörden überwiegend positiv.
Auch Spanien und Österreich erhalten hohe Zustimmungswerte. Die Ergebnisse bestätigen damit die Rolle dieser Länder als etablierte LGBTQ+-freundliche Reisedestinationen.
Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass selbst Länder mit hoher rechtlicher Gleichstellung regionale Unterschiede aufweisen können. Die Wahrnehmung von Sicherheit hängt stark vom konkreten Reiseort und gesellschaftlichen Umfeld ab.
USA: Gesellschaftliche Akzeptanz sinkt, Safe Spaces bleiben wichtig
Die deutlichste Veränderung im Vergleich zu 2025 zeigt sich in den Vereinigten Staaten.
Bereits die erste ITB Berlin-Umfrage hatte auf Unsicherheiten im Zusammenhang mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen hingewiesen. 2026 bewerten die Befragten die gesellschaftliche Akzeptanz von LGBTQ+-Personen nochmals kritischer.
Der Anteil der Teilnehmenden, die zustimmen, dass sich LGBTQ+-Personen und Paare in der Gesellschaft respektvoll behandelt fühlen, sank von 35 Prozent im Jahr 2025 auf 17 Prozent im Jahr 2026. Auch der respektvolle Umgang durch die Polizei wurde deutlich schlechter bewertet und ging von 39 Prozent auf 17 Prozent zurück. Die Einschätzung, dass LGBTQ+-Personen sicher Diskriminierung oder Hasskriminalität melden können, sank von 52 Prozent auf 33 Prozent.
Gleichzeitig zeigt der Jahresvergleich eine positive Entwicklung bei LGBTQ+-Safe-Spaces. Die Einschätzung, dass eine aktive und für Tourist*innen zugängliche LGBTQ+-Szene vorhanden ist, stieg von 61 Prozent im Jahr 2025 auf 83 Prozent im Jahr 2026. Beliebte LGBTQ+-Viertel wurden 2026 von allen Befragten bestätigt. Die Ergebnisse verdeutlichen damit ein ambivalentes Bild: Während sich die gesellschaftliche Stimmung in Teilen verschlechtert hat, bleiben urbane Zentren und etablierte LGBTQ+-Communities wichtige sichere Räume.
Deutschland zwischen Gleichstellung und regionalen Unterschieden
Deutschland wird von den Befragten differenziert bewertet. Einerseits bestehen umfangreiche rechtliche Schutzmechanismen und eine weitgehende Gleichstellung. Andererseits zeigt die Untersuchung, dass gesellschaftliche Akzeptanz regional unterschiedlich wahrgenommen wird.
Insbesondere Unterschiede zwischen Großstädten und ländlichen Regionen spielen eine Rolle. Während urbane Räume häufig als offen und sicher erlebt werden, verweisen Befragte auf konservativ geprägte Regionen, in denen LGBTQ+-Personen weiterhin mit Vorbehalten oder Anfeindungen konfrontiert sein können.
Auch die Wahrnehmung sogenannter No-Go-Areas bleibt ein relevantes Thema. Der Anteil der Befragten, die in Deutschland Regionen mit erhöhtem Risiko für LGBTQ+-Personen sehen, stieg von 65 Prozent im Jahr 2025 auf 71 Prozent im Jahr 2026.
Neue Herausforderungen: Digitale Risiken und politische Entwicklungen
Die ergänzenden Interviews zeigen, dass sich Sicherheitsfragen für LGBTQ+-Reisende zunehmend verändern.
Neben rechtlichen Einschränkungen und gesellschaftlicher Ablehnung gewinnen digitale Risiken an Bedeutung. Expert*innen berichten von Fällen, in denen Dating-Apps oder soziale Netzwerke genutzt werden, um LGBTQ+-Personen gezielt zu täuschen, auszurauben oder anzugreifen.
Diese Risiken bestehen nicht ausschließlich in Ländern mit repressiver Gesetzgebung. Auch aus europäischen Ländern wurden entsprechende Erfahrungen berichtet. Eine bewusste Nutzung digitaler Plattformen und eine sorgfältige Vorbereitung bleiben daher wichtige Bestandteile sicheren Reisens.
Darüber hinaus weisen Expert:innen darauf hin, dass politische Entwicklungen auch in liberalen Demokratien die Wahrnehmung von Sicherheit beeinflussen können. Besonders die Situation von Transpersonen wird als Bereich genannt, in dem Veränderungen besonders deutlich werden.
Expert:innen bestätigen: Vorbereitung schafft Orientierung
Die Interviews zeigen zugleich, dass LGBTQ+-Reisende häufig sehr bewusst mit möglichen Risiken umgehen. Informationen zur Rechtslage, Erfahrungen anderer Reisender, LGBTQ+-freundliche Unterkünfte und Empfehlungen spezialisierter Reiseveranstalter spielen eine wichtige Rolle bei der Reiseplanung.
Gerade in Ländern mit komplexen gesellschaftlichen oder rechtlichen Rahmenbedingungen können lokale Expertise und professionelle Netzwerke entscheidend sein. Reiseveranstalter übernehmen dabei nicht nur eine Sicherheitsfunktion, sondern können auch Begegnungen zwischen Reisenden und lokalen Communities ermöglichen.
LGBTQ+ Risk Map 2026 zeigt weltweite Fortschritte und Rückschritte
Parallel zur Veröffentlichung der Umfrage stellt A3M Global Monitoring die aktualisierte LGBTQ+ Risk Map 2026 vor. Sie dokumentiert aktuelle Entwicklungen hinsichtlich Rechtslage und Reisesicherheit von LGBTQ+-Personen weltweit.
Zu den positiven Entwicklungen zählen unter anderem Fortschritte beim Schutz von LGBTQ+-Personen in Kanada, den Niederlanden, Österreich, China, Kolumbien und weiteren Ländern.
Gleichzeitig zeigt die Analyse auch gegenläufige Entwicklungen. Mehrere Staaten haben gesetzliche Einschränkungen verschärft oder neue Regelungen eingeführt, die die Rechte, Sichtbarkeit oder Organisation von LGBTQ+-Personen einschränken. Dazu gehören unter anderem Niger, Senegal, Burkina Faso, Kasachstan und Belarus.
Langfristiges Netzwerk für LGBTQ+-Reisesicherheit
Mit der jährlichen Untersuchung wollen ITB Berlin, A3M Global Monitoring und Diversity Tourism eine kontinuierliche Datengrundlage zur LGBTQ+-Reisesicherheit schaffen. Die Ergebnisse sollen Entwicklungen sichtbar machen und Reisenden sowie der Tourismusbranche Orientierung geben.
Die zweite Erhebung zeigt deutlich: Queeres Reisen wächst weltweit weiter. Gleichzeitig bleibt Sicherheit ein entscheidender Faktor für die Zukunft eines inklusiven Tourismus. Verlässliche Daten, internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass LGBTQ+-Reisende weltweit sicherer und selbstbestimmter unterwegs sein können.
Anmerkung: Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text an manchen Stellen die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige sämtlicher Geschlechter.
Über die ITB Berlin und den ITB Berlin Kongress und ITB 360°
Die ITB Berlin 2026 fand in diesem Jahr von Dienstag bis Donnerstag, 3. bis 5. März, als reine Fachbesuchermesse statt. Die ITB Berlin ist seit 1966 die führende Messe der weltweiten Reiseindustrie und feierte unter dem Motto „Discover the stories behind 60 years of legacy“ in 2026 ihr 60-jähriges Jubiläum. Zu dieser Jubiläumsausgabe stellten 5.601 Aussteller aus 166 Ländern und Regionen ihre Produkte und Dienstleistungen rund 97.000 Teilnehmern vor. „Leading Tourism into Balance“ hieß es zeitgleich auf dem ITB Berlin Kongress, wo 400 Top-Speaker aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf 4 Bühnen in insgesamt 17 Themen Tracks die Branchen-Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft diskutierten. Mehr als 24.000 Besucherinnen und Besucher nahmen am Kongress teil. Als ganzjährig und global präsenter Innovationshub, bietet die ITB Berlin der weltweiten Tourismuscommunity mit ITB 360° ganzjährig wertvolle Insights in Form von Fachartikeln, Podcast-Episoden und weiteren innovativen Formaten.
Mehr Informationen sind zu finden unter www.itb.com und ITB News & Insights & Social Media.
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