ITB - The Travel Network
16. - 18. März 2027
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Substanz statt Inszenierung

Der Markt der Luxusreisen erlebt ein dynamisches Wachstum. Gut situierte Baby Boomer und erfolgreiche Millenials suchen mehr denn je nach Exklusivität und Abgeschiedenheit.

Ob Golfturnier am Rand der Arktis, Butler-Service am Privatpool oder exklusive Strandvilla mit mehr als 1000 qm Wohnfläche – Reisende mit hoher Kaufkraft ebenso wie jene, die für besondere Erlebnisse bewusst hohe Ausgaben in Kauf nehmen, können bei der Planung ihres Urlaubs inzwischen auf ein nahezu unerschöpfliches Angebot zurückgreifen. Die Auswahl an hochwertigen Reisen mit maßgeschneiderten Zusatzangeboten und individuellen Services ist in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen als der Gesamtmarkt. Urlauber mit der Sehnsucht nach Luxus werden zu einer immer wichtigeren Zielgruppe. Obwohl die Gruppe kaum fünf Prozent aller Reisenden ausmacht, sorgt sie mittlerweile für etwa 22 Prozent aller weltweiten Tourismusausgaben. Hochwertige Kreuzfahrtreisen zu wenig besuchten Destinationen, luxuriöse Lodges in abgelegenen Landschaften oder teure Packages in Kombination mit begehrten Kultur- oder Sportevents sind dabei nur einige von vielen Angeboten, die auf eine lebhafte Nachfrage rechnen können.

Eine Frau mit ausgestreckten Armen in einem Pool, neben ihr ein Tablett mit Essen.

Luxusreisen stehen heute für Privatsphäre, Individualität und Erlebnisse mit persönlicher Bedeutung.

Immun gegen Krise und Konjunktur

Ein Ende dieses Aufwärtstrends ist kaum absehbar. Lag der weltweite Umsatz des Segmentes gegen Ende der Corona-Pandemie 2022 noch bei rund 20 Milliarden US-Dollar, könnte er nach Einschätzung des US-Marktforschungsinstituts Global Market Insights bis 2032 auf rund 150 Milliarden US-Dollar anwachsen. Touristische Leistungsträger, die sich in diesem Bereich profilieren, haben die makroökonomischen Rahmenbedingungen auf ihrer Seite. Der Kundenmarkt gilt nicht nur als hochdynamisch, sondern auch als wenig krisenanfällig oder konjunkturabhängig. Während die Verbraucherlaune aktuell in vielen Bereichen durch hohe Energiepreise und unsichere Konjunkturaussichten getrübt wird, können die Reichen und Wohlhabenden bei der Urlaubsplanung 2026 mehr denn je aus dem Vollen schöpfen. Neben gut situierten Millennials sind es in Nordamerika und Europa vor allem viele Baby Boomer, die das Segment in Schwung halten – Zielgruppen, die über gute Altersbezüge und hohe Vermögenswerte verfügen und nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben viel Geld für Freizeit und Erholung ausgeben können. Auch im asiatisch-pazifischen Raum hat sich der Kundenmarkt wohlhabender Urlauber erheblich vergrößert. Der lange Wirtschaftsaufschwung in China und anderen Teilen Asiens hat dort eine junge, konsumfreudige Oberschicht entstehen lassen, die es rund um den Globus nach hochwertigen Reiseerlebnissen verlangt.

Was Luxus ist und was ihn ausmacht, bleibt bei alldem eine komplexe, nicht leicht zu beantwortende Frage. Weil der Markt dynamisch wächst und sich dabei zunehmend ausdifferenziert, werden unter diesem Begriff mittlerweile höchst unterschiedlichste Bedürfnisse und Konzepte subsumiert. Die Rundumbetreuung durch engagiertes Personal kann ebenso dazu gehören wie das Verlangen nach Ursprünglichkeit, der Wunsch nach Abgeschiedenheit ebenso wie der Zugang zu exklusiven Einrichtungen und Begegnungen, das „digitale Detox“ in einem mittelalterlichen Schweigekloster ebenso wie die Longevity-Therapie in der Privatklinik.

Abgeschiedenheit am Polarkreis

Ungeachtet der vielfältigen Interessen ist ein Trend jedoch unübersehbar: Weil der weltweite Tourismus unter dem Stichwort Overtourism in populären Urlaubsregionen zunehmend für Akzeptanzprobleme und Engpässe sorgt, gewinnen Exklusivität und Abgeschiedenheit an Bedeutung. Zu den Privilegierten darf sich rechnen, wer die ausgetretenen Pfade verlassen kann – etwa indem Orte in noch wenig entdeckten Regionen frequentiert werden oder das Ziel mit privat gecharterten Fluggeräten oder Schnellbooten angesteuert wird. Neben dem privilegierten Zugang verlangt es das Publikum nach Authentizität und Einzigartigkeit: Wer mit Hubschrauber oder Motoryacht anreist, möchte am Bestimmungsort keine Angebote von der Stange erleben. „Luxus definiert sich mehr denn je über Einzigartigkeit - je seltener ein Erlebnis, desto höher sein Wert“, registriert Steffen Boehnke, Direktor des Luxusreiseveranstalters airtours. Die Kunden des TUI-Tochterunternehmens verlangen nach Distanz zum Alltag. Gefragt sind etwa Naturräume, die das Erlebnis von Weite und Stille in abgelegenen Berg- und Küstenlandschaften ermöglichen. Der Veranstalter hat seit 2026 eine Luxus-Lodge am nördlichen Polarkreis im Angebot, die in einem 300 Hektar großen Schutzgebiet aus Wäldern, Seen und frei umherziehenden Rentieren maximalen Rückzug ermöglicht. Persönliche Betreuung durch Gourmetkoch, Butler und Wildnis-Guides treten an die Stelle der klassischen Hotelinfrastruktur.

Abseits der Influencer

Ging es früher häufig darum, mittels Luxuskonsum seine Umwelt zu beeindrucken und darüber Distinktions- und Prestigegewinne zu erzielen, zählen heute eher Eigenbedürfnisse und Anonymität. Wer seinen Urlaub auf 1400 qm Wohnfläche in einer Sechs-Sterne-Villa auf den Malediven verbringt oder einen meditativen Aufenthalt in einem abgelegenen Klöster in Bhutan bucht, will dies anders als viele Influencer nicht nach außen kommunizieren, sondern eher für sich selbst genießen. „Unsere Gäste investieren in Zeit für sich selbst, persönliche Betreuung und in Erinnerungen mit echtem Wert“, beobachtet airtours-Direktor Boehnke.

Luxus bedeutet in diesem Kontext auch eine Abgrenzung von den rastlosen Inszenierungen der Social-Media-Reisewelt mit ihren Bucket- und To-do-Listen, in denen sich alles um Äußerlichkeiten und Nachahmung dreht. Luxus-Genießer wie auch beruflich stark beanspruchte Gutverdiener sind auf diese Weise kaum zu gewinnen. Die Klientel sucht eher Substanz als Prestige. „Der Wunsch nach Individualität, Privatsphäre und maßgeschneiderten Reisen ist stärker denn je. Wir beobachten eine Verschiebung von klassischem Luxus hin zu Reisen mit persönlicher Bedeutung und emotionalem Mehrwert. Der Gast möchte nicht nur komfortabel reisen, sondern etwas erleben, das einzigartig ist und lange in Erinnerung bleibt.“, registriert Christian Böll, Geschäftsführer des Berliner Veranstalters Windrose.

Wachsende Nachfrage nach Exklusivität

Von der steigenden Nachfrage durch eine ebenso krisenfeste wie konjunkturunabhängige Oberschicht profitieren in Deutschland jedoch nicht mehr nur etablierte Luxus-Spezialisten wie airtours, Windrose oder der Privatflug-Anbieter Consul-Reisen. Auch andere Veranstalter registrieren zunehmend Anfragen von Kunden, die nicht nur das Besondere suchen, sondern dafür auch tief in die Tasche greifen. „Der Markt wächst. Es gibt ein starkes Bedürfnis nach Exklusivität“, beobachtet David Heidler, Geschäftsführer des Afrika-Veranstalters Akwaba. Das Leipziger Unternehmen verfügt über ein umfangreiches Angebot an Afrika-Reisen im mittleren Reisesegment, bedient jedoch zunehmend auch hochpreisige Ansprüche. Wer die gängige Tansania-Reise – eine Kombi aus Nationalpark-Safari und Strandurlaub – zu Preisen ab 5000 Euro als zu profan empfindet, kann auf vielfältige Weise aufstocken. Insbesondere der Aufenthalt in Afrikas Nationalparks und die umfangreichen Möglichkeiten der Natur- und Tierbeobachtung bieten zahllose Optionen für luxuriöse Zusatzleistungen. Geschulte Nationalpark-Mitarbeiter, die die Wildtiere rechtzeitig vor Eintreffen der Touristen aufspüren, private Flüge für besondere Fotomomente oder exklusive Lodges in abgelegenen Gegenden mit privaten Pools und eigenem Butler können den Preise für den Afrika-Urlaub leicht in fünfstellige Dimensionen klettern lassen. Anders als in vielen europäischen und asiatischen Destinationen ist Overtourism in Afrika zwar noch kaum ein Thema, jedoch beginnt sich auch hier das Angebot unter den Einfluss steigender Besucherzahlen auszudifferenzieren. Anspruchsvolle Urlauber, die nach der Safari einen exklusiven Strandurlaub in der Region erleben wollen, favorisieren nicht mehr das boomende Sansibar, sondern die beschaulichere Nachbarinsel Pemba, deren Luxus-Resorts ebenfalls keine Wünsche offen lassen.

Home of Luxury der ITB Berlin: Treffpunkt der internationalen Luxusreisebranche

Die steigende Nachfrage nach exklusiven und individuellen Reiseerlebnissen macht das Luxussegment zu einem der spannendsten Wachstumsmärkte der Branche. Entsprechend wächst auch die Bedeutung von Plattformen, auf denen sich die wichtigsten Akteure vernetzen und neue Geschäftsmöglichkeiten entwickeln können. Mit dem Home of Luxury bietet die ITB Berlin dafür einen exklusiven Treffpunkt für die internationale Luxusreiseindustrie.

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Home of Luxury, Hospitality, Destinations, Podcast
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