Mehr Frauen in die Führung: so kann der Wandel gelingen
Aus der Perspektive von Praxis und Forschung widmete sich ein Panel auf der ITB Berlin den Herausforderungen weiblicher Führungskräfte in der Tourismusindustrie.
Wie schaffen es Frauen in die Führungsetagen großer Konzerne? Was kann ihnen den Einstieg erleichtern und wie sollten sie mit Widerständen umgehen? Diese Fragen diskutierten Teilnehmerinnen des Panels „Mut, Macht & Macherinnen: Female Leadership im Tourismus“. Katrin Rieger, Bereichsdirektorin Reisevertrieb bei der HanseMerkur Reiseversicherung, seit 18 Jahren in Führungsverantwortung im Tourismus, kennt die Vorurteile, die Frauen oft begegnen. „Du bist zu nett“ wurde ihr oft gesagt, dabei könne Führung auch im Stillen gelingen – ohne dominantes Verhalten und unter Einbeziehung der männlichen Kollegen, ist sie überzeugt.

Panel „Mut, Macht & Macherinnen: Female Leadership im Tourismus“ bei der ITB Berlin 2026. v.l.n.r: Ann-Kathrin Kopp, Lisa-Marie Küchler, Katrin Rieger, Maren Merken.
Im Dominanz-Dilemma
In der Forschung gibt es dafür einen Begriff: die Rollenkongruenztheorie. Demnach entsteht durch tief verankerte Stereotype ein Widerspruch zwischen weichen, weiblich konnotierten Eigenschaften und dominanter Führungskraft, erklärte Lisa-Marie Küchler. Sie hat an der Hochschule Stralsund ihre Masterarbeit über „Gender-equal leadership in tourism“ geschrieben. Umso wichtiger findet sie es authentisch zu bleiben und Führung neu zu interpretieren.
Maren Merken von Tourismus Turn und Gründerin der Kommunikationsagentur merkenschoenberg kennt die Vorurteile, denen Frauen mit einem lauten Auftreten begegnen: Sie gelten schnell als anstrengend und kompliziert. Davon müssten sie sich lösen. Mit der Zeit sei ihr die Bestätigung von außen weniger wichtig geworden. Sie plädiert dafür Raum für Unsicherheiten in der Arbeitswelt zu lassen.
Tipps an Young Professionals
Jungen Frauen empfiehlt Maren Merken, früh sichtbar zu werden und Selbstmarketing zu betreiben. Kompetenz entstehe oft unterwegs, nämlich beim Machen, ist ihr Ratschlag an Young Professionals. Katrin Rieger empfiehlt früh Netzwerke aufzubauen und sich etwas zuzutrauen. Frauen hätten die Tendenz, Entscheidungen zu zerdenken. Lisa-Marie Küchler sieht die Unternehmen in der Pflicht durch das Anfordern genderübergreifende Kompetenzen im Recruiting-Prozess und flexible Arbeitszeitmodelle mehr Frauen für Führungspositionen anzusprechen. Das lohne sich auch wirtschaftlich: Diverse Teams schrieben bessere Zahlen.