Von der marokkanischen Wüste zum erfolgreichen ITB-Newcomer
Der Gründer von Elixir Morocco erzählt, wie seine persönlichen Wurzeln zu authentischen Wüstentouren wurden – und warum sich die ITB Berlin auch für kleinere Anbieter lohnt.
Der Weg dieses Ausstellers in die internationale Tourismusbranche begann fernab von Messehallen – in der Weite der marokkanischen Wüste. Aufgewachsen in einer Region, die heute einen bedeutenden Teil seiner Angebote prägt, gründete er später das Reiseunternehmen DMC Elixir Morocco und bietet heute unter anderem authentische Reiseerlebnisse in den Wüstenlandschaften Marokkos.
Als er sich erstmals zur ITB Berlin angemeldet hatte, ging er zunächst davon aus, dass sich die Messe sowohl an Fachbesucher als auch an Privatbesucher richtet. Seit 2023 ist die ITB Berlin jedoch eine reine Fachbesuchermesse. Vor Ort entdeckte er schnell ihren Wert als internationale Plattform für Austausch und Geschäftsanbahnung in der Reise- und Tourismusbranche. Zahlreiche internationale Reiseveranstalter und Branchenpartner zeigten großes Interesse an seinen authentischen Wüstentouren und weiteren Reiseangeboten – eine Erfahrung, die seine Erwartungen deutlich übertraf.

Ahmad Oukhatour bei einer Teezeremonie: Authentische Wüstenerlebnisse als Herzstück von © Elixir Morocco
Im Interview erzählt er, wie seine persönliche Geschichte seine Angebote prägt und warum gerade auch kleinere Anbieter von der Teilnahme an der weltweit größten Tourismusmesse profitieren.

Ahmad Oukhatour in jungen Jahren – geprägt von seinen kulturellen Wurzeln. © Elixir Morocco
1. Sie sind in der Wüste Marokkos aufgewachsen. Können Sie uns etwas über Ihre Kindheit erzählen und darüber, wie diese Erfahrungen Ihre Leidenschaft für die Wüste geprägt haben?
Ich bin in Zagora im Drâa-Tal im Süden Marokkos aufgewachsen, einer Stadt, die wir das „Tor zur Wüste“ nennen.
Für uns ist das Drâa-Tal nicht nur ein Flusstal oder eine Oasenlandschaft. Es ist einer der tiefsten kulturellen Korridore Marokkos, ein Ort, der über Jahrhunderte hinweg durch das Leben in den Oasen, durch Karawanenrouten, befestigte Siedlungen, Landwirtschaft, Bewegung, Austausch und Zusammenleben geprägt wurde. Unsere Wurzeln liegen bei den Amazigh (Berber), verbunden mit der weiten Welt der Wüste, der Erinnerung an das Nomadenleben und der Oasenkultur des Drâa. In unserer Familiengeschichte war diese Region schon immer ein Ort, an dem verschiedene Völker, Traditionen und Lebensweisen nebeneinander existierten: Amazigh, Araber, Juden, Nomaden und Oasengemeinschaften. Diese lange Geschichte der Vielfalt und des Zusammenlebens prägt noch heute die Art und Weise, wie wir Menschen willkommen heißen. Meine Familie stammt von einer Nomadenfamilie des Berberstammes der Aït Atta ab. Meine Großmutter wurde noch in der Wüste geboren. Bis heute erzählt sie uns von jener Zeit, als die Wüste noch grün war und von vielen Tierarten bewohnt wurde.
Später wurden meine Eltern in Zagora sesshaft. Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit, eingebettet in eine große Familie und umgeben von vielen Verwandten. Damals gab es auch noch deutlich mehr Wasser in der Region, und so habe ich sogar im Fluss Drâa schwimmen gelernt.
Die Wüste war für mich schon immer ein ganz besonderer Ort. Wenn ich auf einer Düne unter freiem Himmel schlafen kann, wird mein Kopf frei und mein Herz ruhig. In der Wüste braucht es nicht viel zum Leben. Ein unverzichtbares Kleidungsstück ist jedoch der Turban, die Kopfbedeckung, die vor Sonne und Sand schützt.
Mit 16 Jahren begann ich, im Tourismus zu arbeiten. In dieser Zeit begann sich der Tourismus in der Region zunehmend zu entwickeln, insbesondere im Bereich von Wüstenausflügen, mehrtägigen Rundreisen und besonderen Erlebnissen für Gäste, die eine Nacht oder einen längeren Aufenthalt in einem Wüstencamp verbringen möchten. Die Wüste ist bis heute ein Teil von mir. Auch nach vielen Jahren in der Schweiz fühle ich mich meiner Herkunft tief verbunden und in ihr fest verwurzelt.

Durch die Weiten der Wüste: Ahmad Oukhatour mit seiner Tochter auf dem Schoß beim Kamelreiten. © Elixir Morocco
2. Heute organisieren Sie mit Ihrem Reisebüro Elixir Morocco Touren in genau diese Landschaft. Was macht Ihre Wüstenerlebnisse für Reisende besonders?
Elixir Morocco bietet nicht ausschließlich Wüstenreisen an. Dennoch haben wir über die Jahre immer wieder festgestellt, dass gerade diese Reisen für unsere Gäste etwas ganz Besonderes sind. Die Wüste ist ein Ort fernab der Zivilisation und der Hektik des westlichen Alltags. Sie vermittelt etwas, das den Menschen wieder näher zu sich selbst bringt. Es ist mir ein großes Anliegen, die Reisenden auf diesem Weg begleiten zu dürfen. Dabei habe ich keine festgelegte Vorstellung davon, was genau vermittelt werden soll, vielmehr berührt es mich immer wieder zu sehen, was die Wüste in den Menschen zum Klingen bringt. Die Begegnung mit dem naturverbundenen Leben der wenigen Nomaden, die noch dort leben und die wir oft besuchen, die tiefe Verbundenheit zur Natur und ihren eigenen Gesetzen sowie der nächtliche Sternenhimmel wecken bei vielen Gästen ein Gefühl des Innehaltens, der Kontemplation und des Kraftschöpfens. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass sich unsere Gäste während dieser Zeit jederzeit sicher und gut aufgehoben fühlen. Ebenso ist es uns ein besonderes Anliegen, dass die Menschen und Tiere, mit denen wir arbeiten, stets mit Respekt und Wertschätzung behandelt werden.
3. In diesem Jahr waren Sie zum ersten Mal auf der ITB Berlin. Mit welchen Erwartungen sind Sie zur Messe gekommen?
Ja, es war für uns das erste Mal, an einer so großen Messe teilnehmen zu dürfen. Umso mehr hat es uns gefreut, dass die Teilnahme an der ITB Berlin unsere Erwartungen deutlich übertroffen hat. Wir konnten viele wertvolle Kontakte zu potenziellen zukünftigen Kundinnen und Kunden knüpfen und waren sehr erfreut über das große Interesse an unserem Stand und an meinem Land. Besonders bereichernd waren die zahlreichen Gespräche mit Menschen, die Marokko bereits kennen und eigene Reiseerfahrungen mitbringen. Bei einem marokkanischen Tee erzählten sie von ihren Erlebnissen, und es entstand sofort eine offene und herzliche Verbindung.

Paul Downing (Links), Commercial Director, und Ahmad Oukhatour (rechts), Inhaber con Elixir Morocco, an ihrem Stand auf der ITB Berlin © Elixir Morocco
4. Sie sind zunächst davon ausgegangen, dass es sich auch um eine Messe für Endkunden handelt. Wie haben Sie den Moment erlebt, als Sie gemerkt haben, dass hier ausschließlich Geschäftspartner aus der Reisebranche zusammenkommen?
Ja, das stimmt. Wir mussten uns relativ kurzfristig auf dieses sehr besondere Segment fokussieren, um sicherzustellen, dass wir dessen Bedürfnisse bestmöglich abdecken können. Dabei war es uns wichtig, nicht nur mit guten Geschichten zu überzeugen, sondern auch inhaltlich fundiert und professionell auf Verkaufsgespräche vorbereitet zu sein. Das ist uns auch dank unseres Commercial Directors gelungen, der das gesamte Team ausgezeichnet gebrieft hat. Darüber hinaus haben wir uns jeden Abend als Team zusammengesetzt, um uns abzustimmen und sicherzustellen, dass wir alle dieselbe Botschaft vermitteln. So konnten wir während der gesamten Messetage einen einheitlichen und professionellen Auftritt gewährleisten. Rückblickend war es ein großer Erfolg.
5. Trotz dieser anfänglichen Überraschung war die Nachfrage nach Ihren Touren sehr groß. Welche Gespräche oder Begegnungen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Nach jedem Messetag kamen wir zu einem gemeinsamen Team-Debriefing zusammen, bei dem jedes Teammitglied seine persönlichen Highlights teilte. So konnten wir nicht nur die individuellen Erfolge, sondern auch den gemeinsamen Erfolg von Elixir Morocco bewusst wahrnehmen und feiern. Besonders bereichernd waren für mich die vielen interessanten Gespräche mit Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Ländern, die ich bislang noch nicht kannte, wie etwa Turkmenistan oder Indien. Trotz aller Unterschiede zwischen unseren Ländern gab es erstaunlich viele Berührungspunkte, die sofort zu einem lebendigen und offenen Austausch geführt haben.
6. Nach dieser Erfahrung: Welchen Rat würden Sie anderen kleineren Reiseanbietern geben, die überlegen, erstmals auf der ITB Berlin auszustellen?
Eine sorgfältige Vorbereitung und ein gut funktionierendes Team sind entscheidend. Messetage sind intensiv und fordernd, daher ist es wichtig, sich im Vorfeld klar darüber zu werden, mit welchen Erwartungen und Zielen man eine solche Veranstaltung abschließen möchte. Eine klare Zielsetzung ist dabei von großer Bedeutung, da sie sich gezielt mit der Firmenstrategie in Einklang bringen lässt. Ebenso wichtig ist es, offen für Neues zu sein, denn gerade bei solchen Anlässen entstehen oft spannende Begegnungen, unerwartete Impulse und neue Geschäftsideen.
Die Erfolgsgeschichte von Elixir Morocco zeigt, welches Potenzial die ITB Berlin auch für kleinere und spezialisierte Anbieter bietet. Als globale Plattform mit einem internationalen Portfolio von ITB-Veranstaltungen in Europa, Asien und Amerika stärkt sie die Vernetzung und Geschäftsanbahnung entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette und bringt Akteure aus der ganzen Welt zusammen. Zugleich ist sie Trendbarometer und Impulsgeber für Innovationen und eröffnet neue und vielversprechende Perspektiven für zukünftige Partnerschaften.
Die ITB Berlin 2027 findet vom 16. bis 18. März 2027 statt. Die einmalige Terminverschiebung trägt interkulturellen Aspekten Rechnung und ermöglicht es muslimischen Ausstellern und Besucher:innen, das Zuckerfest zum Ende des Ramadans zu feiern und anschließend uneingeschränkt an der Messe teilzunehmen.