Wer gestaltet die Zukunft des Reisens?
Der neue Executive Brief von ITB Berlin und Phocuswright bündelt die zentralen Zukunftsfragen der Branche bis 2046.
Auf der ITB Berlin 2026 haben die ITB Berlin und Phocuswright am 3. März im CityCube Berlin mit dem Leadership Exchange ein exklusives Think-Tank-Format initiiert, das bewusst über klassische Konferenzformate hinausgeht. In einem geschlossenen Kreis hochkarätiger, internationaler Branchenvertreter wurden zentrale strukturelle Fragen der globalen Reiseindustrie diskutiert – jenseits des operativen Tagesgeschäfts und mit klarem Blick auf das Jahr 2046. Der Austausch fand unter der Chatham House Rule statt und schuf damit einen geschützten Rahmen für offene, vertrauensvolle Diskussionen.
Wenige Wochen nach dem Austausch liegt nun das Ergebnis vor: ein Executive Brief 2026, der die zentralen Erkenntnisse des Formats bündelt und für ein breiteres Fachpublikum zugänglich macht. Im Fokus stehen dabei vier strategische Leitfragen, die von den Teilnehmenden als besonders richtungsweisend identifiziert wurden: Wer schafft Vertrauen in einer KI-geprägten Welt? Wo entsteht künftig Wert? Ist Reisen ein Recht oder ein Privileg? Und entwickelt sich die Branche in Richtung Konsolidierung oder Fragmentierung?

Der Leadership Exchange von Phocuswright und ITB Berlin. © ITB Berlin
Ein zentrales Ergebnis: Künstliche Intelligenz reduziert Komplexität entlang der gesamten Customer Journey – und verschiebt gleichzeitig Machtverhältnisse innerhalb des Systems. Wertschöpfung verlagert sich zunehmend hin zu datengetriebenen Modellen, intelligenten Agenten und den Akteuren, die Vertrauen aufbauen und sichern können.
„Die Reisebranche steht vor einem strukturellen Wandel, wie wir ihn seit der frühen Phase der Digitalisierung nicht mehr gesehen haben“, kommentiert Dr. Mario Tobias, CEO der Messe Berlin. „Die Entscheidungen, die wir heute rund um Vertrauen, Daten und Wertschöpfung treffen, werden die Branche für Jahrzehnte prägen.“
Zu den beteiligten Stimmen des Leadership Exchange zählten unter anderem Führungspersönlichkeiten aus Unternehmen wie Sunweb Group, HBX Group, Protect Group und T2Impact. Ihre Perspektiven flossen in die Diskussion über Vertrauen, Wertschöpfung, Zugänglichkeit und künftige Marktstrukturen ein.
Vertrauen wird dabei zum zentralen Differenzierungsfaktor. In einer zunehmend fragmentierten, KI-vermittelten Customer Journey entsteht es nicht mehr an einem Punkt, sondern entlang vieler einzelner Interaktionen – und muss aktiv gestaltet werden. Gleichzeitig wächst die Herausforderung, Verantwortung in komplexen, technologiegestützten Prozessen eindeutig zuzuordnen.
Auch die Logik von Wertschöpfung verändert sich grundlegend. Wenn Suche, Vergleich und Buchung zunehmend durch intelligente Systeme erfolgen, verlieren klassische Mechaniken an Bedeutung. Stattdessen rücken personalisierte Angebote, verlässliche Daten und technologische Anschlussfähigkeit in den Fokus.
Parallel dazu verschärft sich die Frage nach dem Zugang zum Reisen. Technologische Entwicklungen können Mobilität erleichtern, gleichzeitig zeigen sich klare Grenzen durch Overtourism, Regulierung und wirtschaftliche Ungleichheiten. Reisen bewegt sich damit zunehmend im Spannungsfeld zwischen breiter Zugänglichkeit und wachsender Exklusivität.
Offen bleibt, ob sich die Branche stärker fragmentiert oder weiter konsolidiert. Klar ist jedoch: Beide Entwicklungen sind bereits angelegt und werden die Marktstruktur langfristig prägen.
Der Executive Brief 2026 macht diese Dynamiken in gebündelter Form zugänglich und liefert damit eine fundierte Grundlage für die strategische Auseinandersetzung mit der Zukunft des globalen Reisens bis 2046.