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Jetzt müssen sich Arbeitgeber bewerben

Jetzt müssen sich Arbeitgeber bewerben

Machtverschiebung am Arbeitsmarkt macht sich im Tourismus stark bemerkbar

09. März 2023

Das Machtgefüge am Arbeitsmarkt der Hotel- und Reisebranche hat sich seit der Pandemie grundlegend gewandelt. Seit Februar 2021 und ersten Anzeichen der Erholung des Marktes steigt die Zahl der Stellenanzeigen steil an. Dagegen verharrt die Zahl der Arbeitsuchenden auf niedrigem Niveau. Ein Ende dieses Fachkräftemangels ist nicht abzusehen, wie Sophia Krekel, bei dem Stellenportal StepStone für Hotelkarrieren und Gastro-Jobs verantwortlich, am Messe-Donnerstag auf der ITB Berlin 2023 erläuterte. Sie beschrieb die Situation mit dem Wort „Arbeiterlosigkeit“. Diese habe zur Folge, dass sich jetzt die Arbeitgeber bewerben müssten.

Auf die Frage: „Wo sind die Arbeitskräfte denn alle hin?“, antwortete Krekel, sie hätten sich während der Lockdowns teils in anderen Branchen - etwa dem Lebensmitteleinzelhandel - vermeintlich sicherere Jobs gesucht. Dazu verhindere der demographische Wandel, dass genügend Arbeitswillige nachfolgen. Aber auch neue Erwartungen an den Alltag, wie etwa der Wunsch nach Teilzeitmodellen, sorgten für Knappheit. „Wenn fünf Leute nur 80 Prozent arbeiten, braucht man schon wieder eine Person mehr“, rechnete Krekel vor. Das sei im europäischen Umfeld nicht anders.

Dabei gehören Teilzeitmodelle oder die Viertagewoche zu den essenziellen Angeboten, mit denen sich neue Kräfte finden lassen - ebenso wie eine flexible Arbeitsplatzwahl. Arbeitgeber schöpften vielfach noch nicht alle Möglichkeiten von Home Office-Arbeitsplätzen aus. Oft reiche es schon, dem oder der für die Speisekarte Verantwortlichen zu ermöglichen, diese zu Hause zu erstellen, auch wenn er oder sie die übrige Woche in der Küche arbeiten müsse. Karriere- oder Wechselmög¬lichkeiten müssten transparent herausgearbeitet werden. Darüber hinaus sollten sich Arbeitgeber von der Vorstellung befreien, dass Menschen im Home Office weniger arbeiten. „Sie müssen die Leute dafür einstellen, wer sie sind.“ Wenn sie von der Persönlichkeit gut in das Betriebsklima passten, könnten die Arbeitgeber ihnen immer noch per Nachschulung die speziellen für ihre Aufgabe nötigen Kenntnisse vermitteln.

Vermittlung sei überhaupt immens wichtig, sagte Krekel. Auch kleinere Unternehmen könnten neben den großen bestehen und gute Mitarbeiter*innen halten, wenn es ihnen gelinge, die Vorteile nahe zu bringen - etwa bei der Mitgestaltung der Unternehmensziele oder der Sicherheit des Arbeitsplatzes. Differenzen bei der Gehaltshöhe seien übrigens nicht der Hauptgrund für die Fluktuation qualifizierter Arbeitskräfte, obwohl sie mit 32 Prozent auf Platz zwei der Gründe liegen. Mit 37 Prozent am häufigsten genannt wurde bei den Antworten: „Mangelnde Wertschätzung durch die Chefs.“ Ein Missstand, dem in der Regel ohne große finanzielle Investitionen abzuhelfen sei, sagte Krekel.